Im „FreiRaum" gehen Ende März die Lichter aus
250 Tiroler mit Behinderung besuchten im Vorjahr Kurse im „FreiRaum". Jetzt stellte der Bund die Förderung ein.
Von Margret Klausner
Innsbruck – Reinhard Hug, Geschäftsführer des Vereins Tafie (Tiroler Arbeitskreis für Integrative Entwicklung), und Gabriele Kleinschmid – sie leitet das Vereinsprojekt „FreiRaum" – sind verzweifelt. Für das heurige Jahr sind die Förderungen des Bundessozialamtes ausgeblieben – springt kein Geldgeber ein, muss „FreiRaum" Ende März im wahrsten Sinne des Wortes dichtmachen.
Bei diesem Projekt werden Menschen mit Behinderung nicht nur auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, sondern lernen in Kursen und Seminaren auch, sich in ihrer Umwelt besser zurechtzufinden. Die Angebotspalette umfasst Computer- und Rechenkurse ebenso wie Ausgehseminare. Auch der Umgang mit Geld oder das Zugfahren stehen auf dem Stundenplan.
„Im vergangenen Jahr haben rund 250 Menschen mit Behinderung aus ganz Tirol unser Angebot genutzt", freut sich Kleinschmid über die inzwischen nahezu zehn Jahre dauernde Erfolgsgeschichte. „Wir haben im Jahr 2001 mit dem Projekt gestartet. Damals erhielten wir aus der so genannten Behindertenmilliarde des Bundes 110.000 Euro", schildert Reinhard Hug. Bis zum Jahr 2006 floss jährlich diese Summe nach Tirol. Doch dann gab es für die Tafie-Verantwortlichen einen Dämpfer. Der Sozialminister verfügte, dass nur noch solche Projekte Geld bekämen, „die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt stehen". Für die Beamten des Bundessozialamtes fehlt bei vielen dieser Kurse des Tafie-Projektes dieser Bezug. Sie kürzten die Förderungen. „Wir haben unser Programm dann umgestellt und die darüber hinausgehenden Kurse mit Spenden finanziert", erzählt Hug. Doch vor einigen Monaten kam die Hiobsbotschaft. Das Bundessozialamt stellte die Förderungen ein. „Inzwischen haben bereits 2500 Menschen eine Petition zur Rettung von ‚FreiRaum‘ unterschrieben", freuen sich Hug und Kleinschmid, die weiterkämpfen wollen.
Dem Chef des Bundessozialamtes, Walter Guggenberger, sind die Probleme von Hug und seinen Mitstreitern zwar bekannt. Ihm aber sind die Hände gebunden. „Die Zielsetzung der beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung muss sich aus dem Projekt eindeutig ablesen lassen", betont Guggenberger. Das sei bei „FreiRaum" nicht der Fall. „Wir haben das den Betroffenen auch mehrmals gesagt und ihnen eine Änderung des Konzepts in Richtung Arbeitsmarktbezug nahegelegt", erklärt der Amtschef. Er wolle auch darauf hinweisen, dass das Projekt „Boat" desselben Vereins auch heuer gefördert wird, da dieses die Richtlinien erfüllt. Sollte das Konzept von „FreiRaum" nach den Vorgaben des Sozialamtes geändert werden, dann gäbe es auch wieder eine Gesprächsbasis, so Guggenberger.
Geld vom Land gibt es übrigens auch keines. „FreiRaum ist leider kein Einzelfall – immer öfter zieht sich der Bund aus der Finanzierung solcher Projekt zurück. Diese landen dann beim Land. Uns ist es aber nicht möglich, die Aufgaben und Kosten des Bundes zu übernehmen", betont Sozial-LR Gerhard Reheis.


